Vorstellung der 1WVPM in bau-aktuell

1. Ziele

Die 2009 gegründete 1. Wissenschaftliche Vereinigung Projektmanagement e. V. ist ein Zusammenschluss von Entscheidungsträgem aus Wissenschaft und Praxis des Projektmanagements. Die Vereinigung versteht sich als branchenübergreifendes Netzwerk von Experten im Projektmanagement mit ganzheitlichem Einsatz. Im Zusammenspiel der verschiedenen Ausbildungen, Disziplinen, Regularien und Kulturen kann Projektmanagement als gemeinsame Sprache dienen und helfen, Projekte erfolgreich zu gestalten. Ziel ist es, die Methode Projektmanagement im wissenschaftlichen und berufspraktischen Austausch unterschiedlicher Fachgebiete zu diskutieren und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Die 23 Mitglieder (davon fünf Vertreter von Universitäten und drei Vertreter von Hochschulen) bringen aus verschiedenen Blickwinkeln, unterschiedlichen Erfahrungsschwerpunkten und beruflichen Funktionen fundiertes Wissen als Grundlage ein, um gemeinsam die folgenden Vereinsziele anzustreben:

  • wissenschaftlicher und internationaler Erfahrungsaustausch zu Projektmanagementsystemen und -lösungen, Förderung des Verständnisses für Projektmanagement;
  • Förderung des Nachwuchses, insbesondere Sponsoring von herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Bereich Projektmanagement;
  • Kooperation mit wissenschaftlichen Fachverbänden;
  • Impulsgeber für Fachdiskussionen, Politik und Gesetzgebung.

2. Aktivitäten

2.1 Überblick

Die Vereinigung organisiert Jahrestagungen zu aktuellen Themenstellungen und verbindet das mit der Vertiefung anhand konkreter Großprojekte. Des Weiteren loben wir jedes Jahr einen Studienpreis aus, mit dem herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Projektmanagement prämiert werden.

2.2. Jahrestagungen
2.2.1. Allgemeines

Die Jahrestagungen der Vereinigung erfolgen in einem dreiteiligen Format mit vorabendlichem Netzwerktreffen, vormittäglichem wissenschaftlichem Diskurs mit Vorträgen sowie mit nachmittäglicher Besichtigung einer Großprojektbaustelle. In den letzten Jahren fanden Veranstaltungen in Berlin (2011, Flughafen Berlin; 2015, Berliner Schloss Humboldt-Forum), Düsseldorf (2012, Kö-Bogen), Frankfurt (2013, EZB), München (2014, Flughafen München Satellit) und Hamburg (2010, Elbphilharmonie; 2016, Alter Wall, Elbphilharmonie) statt.

Seit 2013 wird für jede Jahrestagung ein Leitthema definiert, zu dem dann auch Thesen abgeleitet werden, die veröffentlicht wurden.

2.2.2. Jahrestagung 2013 in Frankfurt: Technische Gebäudeausrüstungen als Risikofaktor in der Projektabwicklung, Besichtigung EZB-Baustelle

Bei vielen gescheiterten Projekten liegen die Ursachen im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung und im organisatorischen Bereich. Dies betrifft die Schnittstellen zwischen Bauherrnstrukturen, Projektsteuerern sowie Planungs- bzw. Ausführungsbeteiligten in dem Prozess der Planungsentwicklung, der Entscheidungsfindung, des Änderungsverhaltens und der daraus entstehenden Folgen. In der Tagung wurden die verschiedenen Facetten der technischen Gebäudeausrüstung im Verhältnis zur Projektsteuerung, zu den Planungsabläufen und zu den ausführungsrelevanten Voraussetzungen sowie die Chancen und Risiken des BIM im Hinblick auf die TGA-Planung dargestellt. In einer Podiumsdiskussion wurden die relevanten Thesen herausgearbeitet und im Nachgang veröffentlicht. Die Thematik wurde durch die Besichtigung der EZB-Großbaustelle vertieft.

2.2.3. Jahrestagung 2014 in München: Praxisrelevante Schnittstellen zwischen Planung und Projektsteuerung im nationalen und internationalen Kontext, Besichtigung Flughafen München Satellit

Ursachen von gescheiterten Projekten liegen häufig in intransparenten und nicht beherrschten Schnittstellen komplexer Projekte. Dies betrifft nicht nur die technische Abstimmung zwischen Rohbau, Ausbau und technischer Gebäudeausrüstung, sondern auch organisatorische, terminliche und vertragliche Sachverhalte im Kontext des Gesamtprojekts. In der Jahrestagung 2014 wurden die Schnittstellen zwischen Planung und Projektmanagement diskutiert. Die Novellierung der HOAI 2013 hat einige Leistungen der Projektsteuerung in den Bereich der Planung integriert. Dies betrifft insbesondere das Terminmanagement, aber auch den Handlungsbereich Kosten. In der Tagung wurden die Konsequenzen dieser Änderung diskutiert, des Weiteren wurden im Vergleich zu deutschen Projektabwicklungen auch die Schnittstellen im internationalen Projektmanagement vorgetragen und analysiert. In der Podiumsdiskussion wurden Thesen abgeleitet, die ebenfalls veröffentlicht wurden. Praktische Anschauung in den Schnittstellen eines Großprojekts bot nach der wissenschaftlichen Tagung die Baustelle des Satelliten am Flughafen München.

2.2.4. Jahrestagung 2015 in Berlin: Projektcontrolling aus Sicht des Auftraggebers – Transparenz mit Verstand, Besichtigung Baustelle Berliner Schloss – Humboldt-Forum

Die Jahrestagung 2015 orientierte sich am Themenspektrum des Projektcontrollings. Die Diskussionen über spektakulären Projektkatastrophen haben inzwischen in einer Vielzahl von Veranstaltungen stattgefunden. Die Reformkommission Großprojekte erarbeitete viele Ratschläge renommierter Experten.

Eine Folgerung daraus war allgegenwärtig. Jedes Projekt braucht effektive Controllingstrukturen. Dies gilt insbesondere für die Leitungsebenen von Projekten, in denen Entscheidungsträger rechtzeitige Indikatoren über Risiken und dagegen einzuleitende Steuerungsmaßnahmen als Grundlage ihrer Handlungen benötigen. In der Jahrestagung 2015 wurden die Ursachen für das Scheitern von Controllingmaßnahmen aus Sicht des Auftraggebers analysiert und daraus Folgerungen für die Aufbau- und Ablauforganisation sowie erforderliche Steuerungsmechanismen aufgezeigt. Es erfolgte eine Bestandsaufnahme an Missständen in der Großprojektabwicklung, anschließend wurden die Mindestergebnisse von Projektcontrollingaufgaben diskutiert. Als Beispiel wurden die Leistungen des externen Controllings beim Neubau der EZB vorgetragen. Aus Sicht einer Unternehmensberatung wurden Strategien zur Verbesserung des Projektcontrollings vorgestellt. In der Diskussion wurde eine Reihe von Thesen zum Projektcontrolling abgeleitet, die ebenfalls veröffentlicht wurden. Als Anschauungsprojekt zur konkreten Besichtigung diente das im Bau befindliche Berliner Schloss – Humboldt-Forum.

2.2.5. Jahrestagung 2016 in Hamburg: Risikomanagement-Strategien aus verschiedenen Perspektiven, Baustellenbesichtigung Projekt Alter Wall und Elbphilharmonie

In der Bewertung der derzeitigen Diskussion in Wissenschaft und Praxis besteht über die Notwendigkeit eines funktionierenden Risikomanagements großes Einvernehmen. Die wesentliche Frage dabei ist allerdings, mit welcher Methodik, in welcher Tiefe, zu welchen Zeitpunkten und in welcher projektbezogenen Konstellation die Umsetzung erfolgt. In der Jahrestagung 2016 wurde die Thematik aus verschiedenen Perspektiven analysiert und es wurden Thesen zur Anwendung abgeleitet.

Das Überseequartier Hamburg als eines der momentan größten Projekte in Deutschland diente als Projekt zum Einblick in die Risikobetrachtungen eines renommierten Projektentwicklers.

Finanzierende Banken müssen frühzeitig die Risikosituation und deren Ausprägung auf das Projekt analysieren, um Finanzierungskonzepte und Konditionen darauf abzustellen. Der Gesamtzusammenhang wurde aus Sicht einer finanzierenden Bank konkret vorgestellt.

Ausführenden Unternehmen, insbesondere in einer Generalunternehmer- bzw. Generalübernehmerkonstellation, tragen oft nach Auftragserteilung ein erhebliches Risiko in der Auskömmlichkeit ihrer Angebots- bzw. Auftragskalkulation. Dieser Themenkreis wurde aus Sicht der ausführenden Firma mit den gegebenen Schnittstellen zu den Projektbeteiligten fokussiert.

Des Weiteren wurden ein aktueller Status des BIM und die Perspektiven gegeben, diese Methode auch auf die Analyse von Risikopotenzialen zu übertragen.

Ein tatsächlich eingetretener Risikofall wurde am Beispiel des Historischen Archivs der Stadt Köln analysiert und es wurden daraus Strategien zur Risikomitigation vorgestellt.

Die Projektbesichtigungen erfolgten im Projekt Alter Wall, wo ein prägnanter Überblick der Komplexität und Risikostruktur vermittelt werden konnte. Abschließend erfolgte ein Vortrag über die Komplexität des Projekts Elbphilharmonie und die damit einhergehende Rückschau auf das Risikomanagement.

2.3. Nachwuchsförderung 2016

Seit 2013 lobt die Vereinigung einen Förderpreis aus. Mit der Vergabe des Studienpreises sucht die Vereinigung herausragende wissenschaftliche Arbeiten (Studienprojekte, Masterarbeiten, Diplomarbeiten oder Dissertationen) im Bereich Bau-Projektmanagement, -Projektsteuerung und -Projektentwicklung. Prämiert werden Ergebnisse, denen es in besonderer Weise gelingt, aktuelle und relevante Fragen des Bau-Projektmanagements wissenschaftlich zu beleuchten und beispielhaft zukunftsweisende Lösungen zu entwickeln. Besonders willkommen sind dabei Arbeiten, die einen Beitrag dazu leisten, Projektmanagement neu zu denken und altbekannte Pfade weiterzuentwickeln. Die Vereinigung denkt momentan über neue Formate der Nachwuchsförderung nach, um durch gezielte Kooperation mit Universitäten und Hochschulen einen speziellen Themenzuschnitt für die Vereinigung und die gewünschte exzellente Qualität der Arbeiten zu gewährleisten.

Im Jahr 2017 wird wiederum der Förderpreis ausgeschrieben, der mit 3.000 € für einen ersten Preis sowie 1.000 € für einen zweiten Preis prämiert wird.

Die Preisverleihung erfolgt dann traditionell im Rahmen der jährlichen Tagung Vereinigung im Frühjahr 2017.

2.4. Impulsgeber für Fachdiskussionen, Politik und Gesetzgebung

Die Vereinigung leitet aus den Jahrestagungen mit wissenschaftlichem Ansatz zu verschiedenen Themenstellungen Thesen ab, die in darauf aufbauenden Masterarbeiten, Dissertationen oder auch Fachtagungen des Deutschen Verbandes der Projektmanager in der Bau- und Immobilienwirtschaft e. V. (DVP) weiter vertieft und im praktischen Ansatz weiterentwickelt werden. Ein Beispiel dafür ist das Thesenpapier der Vereinigung zum Endbericht der Reformkommission Bau von Großprojekten des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. In dem Thesenpapier werden die Ergebnisse der Reformkommission gewürdigt und im Hinblick auf die weitere Vergehensweise kommentiert. Die spezifischen Problemstellungen der Großprojektabwicklung sollten deshalb noch weiter behandelt werden. Dies betrifft insbesondere:

  • die besonderen Strukturanforderungen an die Aufbau- und Ablauforganisation von Großprojekten;
  • messbare Kriterien für die Eignung (Kompetenz und Erfahrung) der Mitglieder der Projektleitungen und der Lenkungsausschüsse;
  • Methoden zur Bewältigung der begrenzten deterministischen Vorplanungsmöglichkeiten bei komplexen Projektzusammenhängen in Bezug auf Kosten und Termine;
  • Abhängigkeiten und Macht einzelner Beteiligter;
  • opportunistisches Verhalten von Projektbeteiligten;
  • beengte Beschaffungsmärkte und Konsequenzen für das Beauftragungswesen;
  • fehlende sachangemessene Leistungsbilder für Projektbeteiligte;
  • abnehmende Wirkkraft der Verträge bzw. notwendige Standardisierung des gesamten Vertragswesens.

Zusammenfassend handelt es sich bei dem Endbericht der Reformkommission Bau von Großprojekten um einen ersten, wichtigen Schritt politischer Unterstützung zur Verbesserung der Projektkultur in Deutschland. Auf den bisherigen Arbeitsergebnissen ist aufzubauen, in weiteren Schritten sollten die Thesen der Reformkommission anband von konkreten Projektanalysen und Auswertungen des Standes der Wissenschaft evaluiert und bei der öffentlichen Hand auch in die Praxis umgesetzt werden.

Die Vereinigung wird diese notwendigen Entwicklungen mit anderen in diesem Spektrum tätigen Verbänden und Vereinigungen verfolgen und weiter unterstützen.

Ausblick

Die Vereinigung hat in den zurückliegenden Jahren, seit 2009, eine gute Aufbauarbeit und Weiterentwicklung in dem Themenspektrum des Projektmanagements absolviert. Mit den nunmehr 23 Mitgliedern ist die Struktur ausreichend interdisziplinär und auch mit Universitäten und Hochschulen vernetzt, um das angestrebte Themenspektrum zielorientiert weiterzuentwickeln. Zu einzelnen Fachdisziplinen werden noch geeignete Entscheidungsträger aus verschiedenen Fachdisziplinen als Mitglieder aufgenommen, um das ganze Spektrum abzurunden.

Wir werden die Veranstaltungsformate der Vereinigung weiterentwickeln und damit auch eine Verbesserung und Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit anstreben. Dazu gehört auch eine breitere Vernetzung und Lobbyarbeit, um unsere Ziele zu erreichen.